Die Angst vor der Angst

Die Angst lautert überall. Ja, auch ich habe Angst. Ich möchte nicht leugnen, dass mich der Gedanke an Terroranschläge in meiner Stadt in Angst versetzt und mir ein mulmiges Gefühl in den Magen zaubert. Die Sorge um geliebte Menschen, denen etwas zustoßen könnte. Und um mich selbst – die vermeintliche Bedrohung meines Grundgefühls stetiger Sicherheit. Die Angst vor der Angst.

Aber viel mehr Angst macht mir die Panikmache und Instrumentalisierung seitens der Politik. Geschürte Hysterie. Das Spielen und Ausnutzen von Ängsten der Bevölkerung ist nichts Neues und war schon immer ein beliebtes Instrument der Politik zur Durchsetzung  von Interessen, Beschlüssen oder Gesetzen. Es macht mir Angst, wenn versucht wird, den Rechtsstaat stückchenweise auszuhebeln. Es macht mir Angst, wenn unser Innensenator Erhard Körting vor „seltsamen Menschen“ in der Nachbarschaft warnt, die nur arabisch sprechen. Es macht mir mehr Angst, wenn Hans-Peter Uhl die Angst ausnutzt, um für Vorratsdatenspeicherung zu plädieren. Es macht mir ebenfalls Angst, wenn Uwe Schünemann die Angst der Bevölkerung schürt und mögliche „Gefährder“ mit Handy- und Computerverbot in Schach halten will. Und es macht mir Angst, wenn die Politik Google StreetView verteufelt und gleichzeitig für Vorratsdatenspeicherung plädiert.

Ich bin weiß Gott kein Politik-Experte. Aber schon mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass die Diskussion hier an falscher Stelle geführt wird. Terror und Gewalt sind schlimm, aber wir sollten anfangen, die richtigen Fragen zu stellen und nicht Öl ins Feuer zu gießen und andere Baustellen aufzureißen. Und damit meine ich nicht nur die Politik, sondern jeden von uns! Ich kann selbst entscheiden, vor was ich Angst haben will und wie ich ihr begegne.

Ich habe keine Lust auf eine Diskussion, in der Muslime grundsätzlich unter Tatverdacht gestellt werden. Ich habe auch keine Lust auf eine Diskussion, die einen Überwachungsstaat herbeisehnt. Terror ist nicht und niemals zu rechtfertigen. Aber was bedeutet Terror eigentlich genau und was sind die eigentlichen Ursachen, nicht Anlässe? Wie definieren wir Öffentlichkeit in unserer heutigen vernetzten Welt? Und was bedeutet Sicherheit für uns? Darüber möchte ich diskutieren. In der gemütlichen und unterhaltsamen Trägheit und Sicherheit unseres Wohlstandstaates, sollten wir nicht im Geiste faul und sicher sein. Davor habe ich am meisten Angst.

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6 Antworten zu Die Angst vor der Angst

  1. Pingback: Hysterie… « bjoern hornemann

  2. Klaus schreibt:

    Genau diese Gedanken sind mir auch durch den Kopf gegangen. Hatte wegen den letzten Tagen nicht so viel Zeit mich in vollem Umfang zu informieren, aber das von der VDS hat bei mir die exakt gleichen Gedankengänge ausgelöst..

    • nadja schreibt:

      damit wird eben seitens der politik gespielt. bin auch kein experte und tief informiert. aber genau das wird gern augenutzt, dinge werden instrumentalisiert und polemisiert.

  3. Andreas schreibt:

    Du schreibst wahre Worte. Es drängt sich wirklich der Verdacht auf das eine Regierung die dermaßen unter Beschuss ist (Stuttgart, Gorleben, Gesundheitsreform, Atom Lobby etc.) mit herkömmlichen Mitteln das VDS nicht durchkriegen würde.
    Was mich aber echt stutzig macht ist was den Körting (den ich eigentlich schätze) zu solchem Schwachsinn hinreist.

    • nadja schreibt:

      Das stimmt, ich frag mich, was er sich dabei gedacht hat – wahrscheinlich nichts. Mich nerven diese oberflächlichen Diskussionen. Einfach die Symptome bekämpfen, anstatt an die Wurzeln zu gehen.

  4. Pingback: » Der Reichstag brennt. Wetten dass? Postdramatiker

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